Gottesdienst am 25.4.2021

Auferstehung

Morgengebet:

Die Nacht ist vergangen, der Tag ist herbeigekommen.

Lasst und wachen und nüchtern sein

Und abtun, was uns träge macht,

dass wir leben unter seiner Sonne

und ihn preisen, unsern Gott,

vom ersten Morgenlied an bis zur Ruhe der Nacht.

Gott, wir danken dir für die Ruhe der Nacht

Und das Licht des neuen Tages.

Lass uns bereit sein, dir zu dienen.

Lass uns wach sein für dein Gebot.

Sei mit uns in allen Stunden dieses Tages. Amen

 

Stehen Sie gerne auf? Wie ging es Ihnen heute Morgen? Sind Sie gut aus dem Bett gekommen oder sind Sie noch ein bisschen liegen geblieben? Haben Sie sich auf den Tag gefreut oder war es egal oder hatten Sie kein Lust auf den Tag?

Warum frage ich nach dem Aufstehen? Weil ich heute nochmal auf die Bedeutung von Ostern und Auferstehung eingehen will. Es ist ja ein beliebter Witz: Jesus ist aufgestanden. Aber beides gehört durchaus zusammen: Aufstehen, Auferstehung und Ostern.

Ein Kollege, ein junger Pastor schreibt sinngemäß (auf Instagram, @wasistdermensch) über Karfreitag und Ostern, über das Trauern und dass man aus der Trauer wieder aufsteht:

Am ersten Tag nach meinem Urlaub habe ich einen Sterbenden besucht. Und plötzlich war es wieder ganz nah, als ich meiner Oma in ihren letzten Lebensstunden die Hand hielt und sie segnete.
Es war also ein Arbeitstag voller Abschied und Trauer.
Als wir vor ein paar Wochen Karfreitag feierten, hat mich das dieses Jahr nicht erreicht.
Heute war mein Karfreitag. Aber mein Ostern hält sich auch nicht an den Kalender. Ich weiß, dass mein, dass dein, dass unser Erlöser lebt.
Und darum werde ich morgen aufstehen und den auferstandenen Jesus suchen, in jeder Begegnung mit Liedern, mit Kunst, mit Menschen. Und ich weiß, dass er sich finden lässt, wenn ich ihn von Herzen suche.

Er gibt also nicht auf, er hofft ganz fest, so fest, dass er es weiß, dass er am nächsten Tag aufstehen wird und dass die Trauer nicht mehr so schlimm sein wird.

Aufstehen hat also durchaus etwas mit Auferstehung zu tun. Die aufgehende Sonne ist ebenso ein Symbole für die Auferstehung Jesu.

Vielleicht haben Sie Lust das Lied „Here comes the sun“ von den Beatles (The Beatles-Here comes the Sun. - YouTube) hören. Here comes the sun (nach einem langen, kalten, einsamen Winter kommt die Sonne wieder hervor; leben wir wieder auf)

 

Im Gottesdienst am Ostermorgen wird aus der Bibel gelesen, dass zwei Frauen zum Grab von Jesus gehen. Das Grab ist leer und ein Engel sagt ihnen, dass Jesus lebt, dass er nicht bei den Toten ist.

Der Sabbat war vorüber. Da kamen ganz früh am ersten Wochentag Maria aus Magdala und die andere Maria. Sie wollten nach dem Grab sehen. Plötzlich gab es ein Erdbeben und ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab. Er ging zum Grab, rollte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt leuchtete, wie der Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee. Die Wachen zitterten vor Angst und fielen zu Boden. Der Engel sagte zu den Frauen: „Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus, der gekreuzigt wurde. Jesus ist nicht hier. Gott hat ihn von den Toten auferweckt, wie er vorausgesagt hat. Kommt her und seht: Hier ist die Stelle, wo er gelegen hat. Jetzt geht schnell zu den Jüngern! Sagt ihnen: Jesus wurde von den Toten auferweckt.
Er geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen. Auf diese Botschaft könnt ihr euch verlassen.“ Die Frauen waren erschrocken und voller Freude. Schnell liefen sie vom Grab weg, um den Jüngern zu berichten. (Matthäus 28,1-8)

Hatten die Frauen damit gerechnet, als sie losgingen zum Grab? Jesus hatte davon gesprochen, dass er auferstehen würde. Er hatte auch davon gesprochen, dass sie sich wiedersehen würden. Und sie würden das sehr gerne glauben.
Aber vorstellen konnten sie sich das nicht. Zu stark waren die Bilder des Todes, die sich drei Tage zuvor in ihre Seele eingegraben hatten.
Maria aus Magdala und die andere Maria haben sich in der Stille des Ostermorgens auf dem Weg zum Friedhof in Jerusalem gemacht.
Jesus lag im Grab, das mit einem Felsen verschlossen war. Totensicher sozusagen, denn da kommt keiner raus! Weil aber das Grab ein Ort der Nähe zu den Verstorbenen ist, weil sie sich Jesus näher fühlten, gingen die Frau hin.

Manche Menschen reden am Grab mit dem, um den sie trauern. Sie fühlen sich mit dem Menschen verbunden und es tröstet sie. Andere gehen enttäuscht wieder weg von einem Grab, weil sie da nichts finden von dem, dem sie nahe sein wollen. So mag das auch für die beiden Frauen gewesen sein. Der, dem sie nahe sein möchten, der ist nicht da in dem Grab– so sehr sie auch suchen in ihrem Kopf und in ihrem Herzen. Da ist nichts. Da stellt sich auch nichts ein – solange sie auch vor dem Grab stehen und den Stein betrachten. Ihn hier zu suchen, ist vergebene Liebesmüh. Erschrocken merken sie: „Hier ist er (Jesus)nicht.

Was sich in den Geschichten vom Ostermorgen in Jerusalem so anhört, als wenn alles in Minutenschnelle klar gewesen wäre, hat wohl eher seine Zeit gebraucht. Die Ostergeschichten sind Erfahrungsgeschichten, die im Zeitraffer erzählen, was geschehen ist.

Die Frauen sind erschrocken. Sie gehen wieder weg vom Grab. Der Schrecken treibt sie weg vom Grab. (In dem Jesus nicht war).

Es wird berichtet, dass die Frauen erzählen, sie hätten den Herrn, also Jesus gesehen, nachdem der Engel gesagt hatte, dass er auferstanden sei.

Ob sie ihn tatsächlich gesehen haben?

Vielleicht drückt der Bericht über die Begegnung ihre Erfahrung von später aus. Man muss losgehen um die Spuren eines verstorbenen Menschen dort zu finden, wo er gelebt hat. Die Worte, die der Mensch sagte, die Zeichen der Liebe, die er gab. Sie leben weiter. Dem fühlen sich die Frauen irgendwann nahe, und das gibt ihnen auch irgendwann wieder Lebensmut. Und dann ist es (fast) so, also ob sie Jesus gesehen hätten. Darum schickt sie der Engel zurück nach Galiläa. Dort waren sie mit Jesus zusammen.

Aber da am Grab, da war alles noch anders und darum fürchteten sie sich.

Und genau in dem Augenblick, in dem sich die Hoffnung zerschlägt, den gestorbenen Jesus am Grab zu finden, leuchtet ein Satz in den Gedanken der Frauen auf: „Fürchtet euch nicht!“ Wie oft hatten sie diese Worte von ihm gehört! Mit ihnen klingen auf einmal alle Worte des Lebens mit, alle Worte des Trostes und der Zuversicht, die Worte der Liebe, die für sie zum tragenden Grund ihres Lebens geworden waren. „Fürchtet euch nicht!“

Die Frauen gehen also mit den anderen Jüngern zurück nach Galiläa. Dort werden sie die Fülle der Lebensmöglichkeiten finden, auf die Jesus sie immer wieder aufmerksam gemacht hatte. Was sie in Galiläa finden werden, ist die Weite des Lebens – trotz der großen Trauer, die sie erfüllt. Weil sie das suchen und ahnen, rennen sie los.

 

Als Sinnbild für die Auferstehung hat Jesus das Bild vom Weizenkorn besonders gerne gemocht. Er sagte: Amen, ich versichere euch: Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Aber wenn es stirbt, bringt es viel Frucht.“ (Johannes 12,24)

Das ist ein weiteres Bild für die Auferstehung: das keimende Weizenkorn. Ich hab vor ein paar Tagen Weizenkörner in Erde gesät. Jetzt muss ich noch warten, bisher habe ich keine Weizenkeime gesehen.

„Mit der Auferstehung“, sagte er, „ist es wie mit einem Weizenkorn! Mit mir wird es sein wie mit einem Weizenkorn! „In eurem Leben ist es immer wieder so wie mit einem Weizenkorn! Es sieht klein und trocken aus, es ist wie tot – niemand kann glauben, dass daraus noch etwas wird! Selbst wenn Ihr es in die Erde legt – erst einmal wird nichts passieren! Das ist wie im Leben! Alles, was aussieht und sich anfühlt wie tot, lässt keinen Menschen glauben, dass da noch etwas werden kann.

Doch nach ein paar Tagen des Wartens geht die Saat auf. Dann geht es plötzlich sehr schnell. Frisch und hell leuchtet der grüne Halm. „Mit der Auferstehung“,sagt Jesus, „ist es wie mit einem Weizenkorn!“  Das haben die Frauen geahnt, als sie an dem Ostermorgen vom Grab weg- und dann wieder nach Galiläa gingen, wo sie mit Jesus zusammen waren. Sie haben geahnt und später wurde es mehr und mehr zur Gewissheit, dass es ein neues Leben nach der Todeserfahrung gibt.

Ich glaube an die Auferstehung mitten im Leben! Ich glaube, dass Gott Auferstehung für jeden und für jede bereit hält. Nach dem Traurig-Sein, nach dem Frust, nach den Kontakteinschränkungen wird es Freude, Erfolg und Umarmungen geben. Es ist wie mit dem Weizenkorn! Oder wie mein junger Kollege schreibt: Und morgen stehe ich auf und werde den auferstandenen Jesus suchen und werde ihn bestimmt finden.

Pastorin Sabine Behrens

 

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