Gottesdienst am 21.02. um 10 Uhr

Predigttext am Sonntag 21.02.2021

Wochenspruch:      "Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre." | 1. Joh 3,8b

 

Gnade sei mit Euch und Frieden, von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Eine schlimme Geschichte liegt heute der Predigt zu Grunde. Zum ersten Mal übrigens nach der Perikopenrevision, der Neufestlegung der Predigttexte.

Es ist der letzte Abend, an dem Jesus mit allen Jüngern in Ruhe zusammen sein konnte und Ostern war schon am Horizont. Er hat ihnen allen die Füße gewaschen, ganz ungewöhnlich, und das letzte Mahl mit ihnen geteilt, und immer zwischendurch hat er ihnen letzte Aufträge und Ratschläge gegeben und immer wieder Vorwarnungen, was kommen würde.

Er hat sich nicht gefreut auf seinen Leidensweg, das wissen wir spätestens von dem Bericht über seine letzte Zeit vor seiner Gefangennahme im Garten Gethsemane, aber er war auch bereit, seinen Weg bis zum Ende durchzustehen.

(ausführlich Matthäus 26, 36-46 und Markus 14, 32-42)

Hören wir aus dem Johannesevangelium im 13. Kapitel, einen Ausschnitt aus dem Bericht über diesen letzten gemeinsamen Abend mit seinen nächsten Jüngern:

Neue Genfer Übersetzung: Ankündigung des Verrats, Johannes 13, 21-30. // auch erzählt in Mt 26,20-25; Mk 14,17-21; Lk 22,21-23

21 Danach erklärte Jesus, bis ins Innerste erschüttert: »Ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten.« 22 Die Jünger sahen sich bestürzt an; sie konnten sich nicht denken, von wem er sprach. 23 Der Jünger, den Jesus besonders liebte, hatte bei Tisch seinen Platz unmittelbar an Jesu Seite. 24 Simon Petrus gab ihm durch ein Zeichen zu verstehen, er solle Jesus fragen, von wem er gesprochen habe. 25 Da lehnte sich jener Jünger so weit zu Jesus hinüber, dass er ihn ‚unauffällig‘ fragen konnte: »Herr, wer ist es?« – 26 »Ich werde ein Stück Brot in die Schüssel tauchen«, antwortete Jesus, »und der, dem ich es gebe, der ist es.« Er nahm ein Stück Brot, tauchte es in die Schüssel und gab es Judas, dem Sohn von Simon Iskariot.

27 Sowie Judas das Brotstück genommen hatte, ergriff der Satan Besitz von ihm. Da sagte Jesus zu Judas: »Tu das, was du vorhast, bald!« 28 Keiner von denen, die mit am Tisch waren, verstand, weshalb er das zu ihm sagte. 29 Da Judas die gemeinsame Kasse verwaltete, dachten einige, Jesus habe ihm den Auftrag gegeben, das einzukaufen, was für das Fest nötig war, oder er habe ihn angewiesen, den Armen etwas zu geben. 30 Als Judas das Brot gegessen hatte, ging er sofort hinaus. Es war Nacht.

Verrat tut weh!

Fast bis zum Schluss ist Judas mit Jesus gegangen. Was er alles miterlebt haben muss: Heilungen, Predigten – und die Nähe. Er durfte Jesus ganz nahe sein, mit ihm gehen und wandern, mit ihm zu Gast sein bei so vielen verschiedenen Menschen.

Die Jünger, nicht nur Judas, haben Jesus oft nicht verstanden, aber er hat sich immer wieder die Zeit genommen, ihnen etwas noch einmal extra zu erklären.

Manchmal musst er sie auch heftig ermahnen - manchmal war er auch nur traurig. Auf seinem letzten Weg nach Jerusalem kamen sie tatsächlich auf die Idee, ein Dorf mit Feuer vom Himmel zu zerstören, nur, weil die Leute dort Jesus nicht aufnehmen wollten (Lukas 9, 54). Solche Rache ist Jesu Sache wirklich nicht! Aber er lässt seine Jünger nicht fallen. Sie werden es lernen, fast alle und sie liegen ihm am Herzen - auch der eine, der ihn verraten wird an die Behörden.

Ab wann Jesus wohl merkte, dass da dieser eine war, der weg driftete? Dass er Judas verlieren würde?

Ich glaube, Jesus versuchte es bis kurz vor Schluss zu Judas durchzudringen. Einer würde ihn verraten, das war schon klar - aber musste es Judas sein?

Anscheinend ja. Anscheinend war Judas entschlossen, Jesus auszuliefern.

Die Machthaber im Volk hatten schon lange versucht, Jesus alleine zu erwischen.

Bloß nicht noch mehr Aufruhr - dieser Einmarsch vor einigen Tagen, am Palmsonntag sagen wir heute, hatte schon gereicht. Immerhin war es ein erobertes Land und die Römer, die Besatzer, waren dafür bekannt, dass sie härteste Strafmaßnahmen gegen aufständische Völker durchführen konnten. Kein weiterer Aufruhr! Außerdem: Der Mann Jesus war so beliebt und geachtet - das ist nicht gut für das eigene Ansehen, wenn man zu offensiv mit so einem Wunder-Rabbi umgeht.

Also: Im Geheimen arbeiten, das war das Geschickteste - nicht zu geheim - immerhin wusste Judas genau, an wen er sich wenden konnte mit seinem Verrat.

Schon kurze Zeit später würde es ihm furchtbar leid tun - aber dann ist es zu spät.

Manches können wir nicht zurückholen, nicht ungeschehen machen. Es muss nicht einmal absichtlich sein. Aber, wie leicht ist ein unbedachtes Wort gesprochen, das ungeahnte Folgen hat, ein Vertrauen missbraucht oder auch einer anderen Versuchung nachgegeben.

Ich vermute, jeder und jede von uns hat schon den einen oder anderen Verrat erlebt und vermutlich auch absichtlich oder unabsichtlich begangen.

Es tut weh!

Und kann, je nachdem, Beziehungen zutiefst stören.

Und dann? Judas versucht, seinen Verrat rückgängig zu machen. Er gibt sogar das Geld zurück ... es wird nur nicht angenommen. Blutgeld zu bezahlen ist anscheinend in Ordnung, es dann wieder in die Tempelkasse zu tun nicht – Judas wirft es einfach hin und geht ...

Und hängt sich auf. Es gibt noch andere Berichte: Er sei gerettet worden und dann elendig trotzdem zu Grunde gegangen, oder auch fatal gestürzt – jedenfalls gab es kein gutes Ende für sein menschliches Leben. Er war verzweifelt und fand keinen Ausweg und keinen Weg zurück, soweit wir wissen können.

Noch einer hat Jesus verraten in dieser Zeit: Petrus. Dreimal hat er Jesus verleugnet vor den ersten Hahnenschreien. Er hat sich sogar selber verflucht und geschworen: „Diesen Mann, diesen Jesus kenne ich nicht!“, er hat sich öffentlich gänzlich von ihm abgewandt – und er war kurz danach völlig verzweifelt.

Auch dem Petrus hatte Jesus vorausgesagt: „Du wirst mich verraten, bevor der Hahn dreimal kräht.“ – noch am gleichen Abend wie dem Verrat des Judas und Petrus wollte es nicht glauben. Was war der Unterschied?

Von Judas wissen wir danach nicht viel, nur, dass er zu Tode kam, oder sich umbrachte. Wir wissen nicht, ob er noch in letzter Minute den Rückweg fand, zu Jesus, zu Gott – und darüber zu richten ist nicht unsere Sache.

Von Petrus aber wissen wir, dass er bitterlich weinte, und sicher zutiefst beschämt und unglücklich war über sein Versagen, seinen Verrat. Aber irgendetwas zog ihn zurück. Jesus – Gott war ihm wichtiger als seine Scham, als seine Verzweiflung, als seine Schuld.

Denken wir an das Vaterunser, das wir nachher wieder zusammen beten werden:

Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsere Schuldigern, so heißt es da. Wir selber können uns nicht wirklich Ent – Schulden...allenfalls entschuldigen. Aber wir können unsere Schuld zu Gott bringen, es ihm im Gebet sagen.

Wenn etwas uns sehr beschwert, dann haben wir auch die Möglichkeit der Beichte, vor einem anderen Menschen. Und Gott sagt uns zu, dass auch schwere Schuld vergeben werden kann. Dass jedenfalls mit Gott reiner Tisch gemacht werden kann.

Das bedeutet nicht, dass wir den Folgen unseres Tuns entgehen können...Zerbrochenes Vertrauen kann dauerhaft, oder jedenfalls sehr lange beschädigt sein. Und oft bleibt ein Riss. Wenn ich jemand körperlich beschädigt habe, bleibt er oder sie vielleicht beeinträchtigt. Ein Verrat in einer Diktatur kann sogar zum Tode führen , ob beabsichtigt oder nicht. Ein Autounfall, betrunken verursacht, kann schlimmen Schaden anrichten, an Menschen und auch finanziell.

Die Folgen müssen wir tragen, aber der Weg zu Gott bleibt offen. Selbst der Schächer am Kreuz, gekreuzigt neben Jesus, konnte noch umkehren zu ihm...“heute noch wirst Du mit mir im Paradies sein“ sagt Jesus zu ihm.

(Ich, mit meinem menschlichem Herz, kann soviel liebendes Erbarmen nicht nachvollziehen...nur anbeten und immer wieder zu ihm zurück kehren…..)

Und auch Petrus findet zu Jesu zurück … und darf ihm ganz neu nachfolgen und noch lange und segensreich dienen.

Jesus macht den ersten Schritt – wir lesen es später. Bei Petrus und bei uns sicher auch. Er ruft uns, zieht uns zu sich , und ist bereit, uns zu hören und für uns da zu sein – uns Kraft zu geben – und auch Kraft, uns zu ändern.

Wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand - und er behüte uns davor, das zu vergessen. Amen.

 

Es folgt das Lied „Anker in der Zeit …“ von Albert Frey, SCM-Verlag

aus dem Liederbuch des 3. ökumenischen Kirchentages, Sichtweisen, Nr.90

 

Alle zitierten Bibelstellen zu finden unter www.die-bibel.de

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