Friedensandacht im Januar

 
 
Jahreslosung 2022
(Jesus sagt:) Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. (Johannesevangelium  6, 37)
 
Das 3. Corona-Jahr. Haben Sie es so satt wie ich?  Mein Mann und ich sind zweimal geimpft und geboostert, und an Sylvester haben wir tatsächlich im Freien und auf  Abstand mit einigen Nachbarn  – auch dreimal geimpft und fast alle getestet- im Freien angestoßen. Kein Feuerwerk, kein Lärm. Nur zwei Holzfackeln und die Straßenlaternen. In einer Kleinstadt, nicht hier. Und nicht mehr Leute, als erlaubt.
Und ich merkte, wie sehr mir die Kontaktmöglichkeiten von früher fehlten. Dabei ist durch die Impfungen schon so viel besser geworden. Aber bei jeden Kontakt überlege ich: Kann ich das riskieren? Für mich, für meine Familie, für die anderen?
Besonders bei zwei Freundinnen riskiere ich es nicht. Zu fragile Gesundheit, zu anfällig.
Wir telefonieren, mit einer von beiden sogar mit Bild. Mit dem Smartphone oder dem Computer geht das ja. Wenn beide Seiten damit ausgestattet sind.
Wie gut, dass es das gibt. Es hilft durch.
 
Ich kann gut verstehen, dass es Menschen zu viel wird, dass sie Schuldige suchen. Sich Luft machen wollen, sich rächen wollen für das Furchtbare, was gerade passiert. Oder einfach zuschlagen wollen.
Es macht es aber nur schlimmer, mehr Menschen leiden, und der Friede gerät immer mehr in Gefahr.
 
„Teile und herrsche!“ So sagten früher skrupelose Herrscher. „Teile und herrsche.“
Wer gewinnt hier? Wer gewinnt, wenn Unfriede und sogar Gewaltdrohungen, sogar Todesdrohungen ausgesprochen werden? Nein, nicht ausgesprochen: Geschrieben. Vielleicht sogar anonym.Dass jemand anderes sein Leben und seine Unschuld verliert für den, der nur im Untergrund wühlt.
Wer gewinnt? Nicht der Frieden. Nicht die Menschen, die versuchen, irgendwie  durchzukommen, sich zu helfen, die Nerven zu behalten trotz allem.
Die Menschen, die versuchen das Leben für sich und manchmal auch für andere  so lebenswert, so erträglich wie möglich zu erhalten.
Wer gewinnt? Nicht der Frieden.
 
Wer ist der echte Feind? Der, auf den wir mit Recht ärgerlich sein könnten?
Er ist eigentlich selber unschuldig. Will nur überleben, halt  auf unsere Kosten
So ein kleines , völlig unpersönliches, aber irgendwie lebendiges Virus. Das sich auch ständig verändert und der Bekämpfung entzieht. Ein Feind. Aber keiner, den wir mit unseren Händen bekämpfen können – bis auf regelmäßiges Händewaschen natürlich.
Der uns irgendwie in die Ecke treibt. Der uns in die Isolation treibt. Der unser Leben bedrängt, einschränkt. Der Leben manchmal so viel schwieriger macht.
Es gibt viele Arten, wie ein Feind aussehen kann.
 
An diesen einen, unseren heutigen Feind, diesen Virus,  habe ich nie gedacht, wenn ich den 23. Psalm las. Es geht um einen Hirten, der sich um seine anvertrauten (Schafe) kümmert, sie beschützt vor allen Feinden.
Wir Christen sagen, hier ist auch von Jesus die Rede.
Jesus sagt (Bibel, Joh. ) : Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte gibt sein Leben für die Schafe und seine Schafe kennen seine Stimme.
Dieser 23. Psalm zieht sich als Gebet durch das Glaubensleben vieler Christen und auch Juden.  Und passt auch heute. (Er ist unten abgedruckt)
 
Wenn ich an Corona denke, dann wird mir plötzlich ein Vers aus diesem Psalm wichtig, den ich immer ganz anders verstand.
 
Du (Gott als Hirte) bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
 
So heißt es da, dem König David zugeschrieben, der viele Feinde hatte, und sehr oft in Lebensgefahr war. Und immer wieder gerettet wurde, bis zum Schluss.
Was kann das heißen, heute,  im Angesicht des (winzig kleinen) Feindes Corona?
 
Vielleicht: Weiterleben, sich nicht entmutigen lassen. Sich pflegen, sogar genießen, wenn auch auf Abstand noch für einige Zeit. Im Angesicht von Corona, trotzdem. Mit Vorsicht, verantwortbar.
Unsere Lieben und die Menschen, die uns ans Herz gelegt werden, für die wir vielleicht auch Verantwortung tragen, nicht vergessen. Briefe schreiben, E-Mails, Nachrichten, telefonieren. Irgendwie kostet das alles mehr Kraft, unter den Einschränkungen.
 
Kann ich das immer aus eigener Kraft? Ich glaube nicht, und es wird mir nicht immer gelingen, selbst, wenn ich es versuche.
Auch David war überzeugt:  Diese Kraft, dieser Schutz, diese Behütung  kommt nicht aus mir alleine. Da ist Gott im Spiel.
Und er lebte sein Leben im Vertrauen auf diesen Gott, unseren Gott, mit allen Höhen und Tiefen. Und es wird gesagt, dass er uns auch diesen Psalm schenkte, der vielen Menschen über die Jahrtausende so wichtig wurde. Auch mir.
 
Lassen Sie auch uns dieses Jahr angehen im Vertrauen auf den guten Hirten.
Damit es für alle lebbar bleibt und besser vorbei geht. Amen.
 
Gabriele Hahn-Hartwig
 
Psalm 23
 
Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
(Ev. Gesangbuch Niedersachsen/Bremen Nr. 711)

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