Epiphanias

Nach den Sternen greifen

„Das ist aber sehr wagemutig“, sagte die Vernunft. „Ja“, sagte Balthasar, „aber schau doch mal, wie schön der Stern leuchtet. So einen Stern haben wir noch nie am Himmel gesehen. Das muss etwas zu bedeuten haben!“ „Deshalb muss man doch nicht gleich alles stehen und liegen lassen und in irgendwelche fremden Gegenden ziehen!“ entgegnete die Vernunft. „Hör zu“, schaltete sich Caspar ein, „wir haben das ausführlich diskutiert. Dieser Stern weist auf ein wichtiges Ereignis hin. Vielleicht führt er uns zu einem großen König. Vielleicht werden alle unsere Fragen beantwortet. Wir wollen dem auf jeden Fall auf den Grund gehen.“

„Und wenn Ihr am Ende weder König noch Antworten findet? Und dafür die Strapazen und die Gefahren!“ sagte die Vernunft. „Und mehr noch: Ihr seid ernst zu nehmende Sterndeuter. Die Leute brauchen euch hier.“ Melchior antwortete ihr: „Jetzt können wir nicht mehr hierbleiben. Ich würde für den Rest meines Lebens darüber nachdenken, was wir wohl gefunden hätten. Und es könnte ja auch sein, dass wir euch bei unserer Rückkehr von diesem wichtigen Ereignis berichten können.“ Dann zogen die drei los. Die Vernunft schaute ihnen hinterher und schüttelte den Kopf. Sie hoffte, dass die drei gesund wiederkommen würden. Die folgten dem Stern.

Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Als sie den Stern dort sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Gott wies ihnen in einem Traum den Weg zurück in die Heimat. Die frohe Botschaft breitete sich aus.

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